Transkript:
Moritz: Es ist viel einfacher, die Quantität zu begrenzen, als die Qualität zu beurteilen.
Ralf: Es ist Montag, der 18. Mai 2026 und da dieser Montag ein Medienerziehungs-Montag ist, gibt es selbstverständlich eine neue Folge des Podcasts, "Was mit Medienerziehung", dem Podcast von Smiley e.V., in dem wir alle 14 Tage über unsere Eindrücke und Erfahrungen aus der medienpädagogischen Arbeit mit Schulklassen, Fachkräften und Eltern diskutieren und berichten. Mein Name ist Ralf Willius.
Moritz: Und mein Name ist Moritz Becker. Herzlich willkommen!
Ralf: Legen wir los mit den Rückmeldungen zu unserer letzten Folge.
Moritz: Wie immer vielen Dank für alle Rückmeldungen. Einen Punkt möchte ich noch mal ganz kurz aufgreifen. Es geht noch mal um Signal und die Angriffe auf die Konten der Bundestagsabgeordneten. Wir haben in der letzten Folge darüber gesprochen, dass es sich dabei nicht um eine Sicherheitslücke von Signal handelt, die von Hackern ausgenutzt wurde, sondern dass es sich dabei um eine Phishing Attacke handelte, bei der Bundestagsabgeordnete nicht gemerkt haben, dass sie einer fremden Person ihren Signalcode mitgeteilt haben, also quasi ihr Passwort. Und außerdem haben sie dann noch einen ganz bestimmten QR Code eingescannt, was man eigentlich auch nicht machen sollte. Und zu Medienkompetenz würde ich sagen, gehört eigentlich. Solche Fallen idealerweise zu erkennen und in der Rückmeldung, die wir bekommen haben, ging es darum, dass die mediale Berichterstattung ganz oft tatsächlich von einem Angriff auf Signal gesprochen hat, also mit Sicherheitslücke, was dem Ruf von Signal sehr geschadet hätte. Das heißt, manche Leute haben das dann wirklich so verstanden, dass der angeblich so viel bessere Messenger als WhatsApp am Ende dann doch eine sehr riskante Lösung sei. Und das, was bei Signal passiert ist, wäre bei WhatsApp genauso möglich. Und Phishing passiert ja auch schon seit Jahren per Email. Und ich glaube, ich würde das auch so sehen, dass durch die mediale Berichterstattung, die manchmal wirklich den Eindruck erweckt hat, das Signal auffällig unsicher sei, dem Messenger oder zumindest dem Ruf des Messengers auf jeden Fall geschadet wurde.
Ralf: Ja, aber wir finden Signal immer noch gut.
Moritz: Ich würde es anders formulieren, ohne Aber.
Ralf: Stimmt. Wir finden Signal gut. Genau. Können wir dann zum Thema kommen der heutigen Sendung.
Moritz: Ich habe noch was für unsere Kategorie. Es wird auch manches besser im Internet.
Ralf: Okay, gute Nachrichten haben natürlich immer Vorrang.
Song: Es wird auch manches besser im Internet.
Moritz: Die Europäische Union hat sich politisch darauf geeinigt, die Anwendung zu verbieten, die ohne Zustimmung sexualisierte Deepfakes, also Deepfake Pornografie erzeugen können, also ohne Zustimmung der betroffenen Personen. Damit ist gemeint, dass aus einem üblichen Foto von einer beliebigen Person vielleicht ein Profilbild, ein pornographisches Foto oder auch ein Film erstellt werden kann. Dabei soll entsprechende Software innerhalb der EU verboten und somit stark eingeschränkt werden. Die Strafbarkeit der einzelnen Täter. Ich bleibe hier bei der männlichen Form. Weil die Täter sehr oft Männer sind, muss in den einzelnen Mitgliedsstaaten geregelt werden. Deutschland arbeitet da gerade noch an dem Gesetz. Das ist aber noch nicht fertig. Aber zumindest die EU hat einen ganz wichtigen Schritt gemacht.
Ralf: Ab wann gilt das dann?
Moritz: Wenn ich es richtig verstanden habe. Ist es realistisch, dass das schon Ende 2026 gilt Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten unterstützen das Verbot. Die politische Einigung muss wohl noch offiziell bestätigt werden und die Durchsetzung muss dann entsprechend organisiert werden. Ich bin da kein Experte, aber auf jeden Fall wollte ich das hier im Podcast erwähnen. Auch als Nachgang noch zu unserer Folge zum Thema Digitale Gewalt von vor ein paar Wochen.
Ralf: Okay.
Song: Es wird auch manches besser im Internet.
Ralf: Moritz Ich würde gerne mit dir in dieser Folge über Bildschirmzeit sprechen.
Moritz: Okay.
Ralf: Vielleicht erinnerst du dich an unsere Onlineveranstaltungen, die wir vor zwei Wochen durchgeführt haben. Vielleicht einmal noch mal ganz kurz als Information für alle, die unserer Onlineformate nicht kennen. Wir gestalten diese Veranstaltungen immer so, dass es einen Vortrag gibt. In den meisten Fällen ist Moritz dann derjenige, der den Input macht und eine zweite Person, die den meisten Fällen dann ich bin moderiert parallel dazu einen Chat. Und dadurch, dass die Eltern die ganze Zeit auch im Chat die Möglichkeit haben, sich mit Fragen zu beteiligen, werden viel, viel mehr Fragen gestellt als in Präsenzveranstaltungen, wo nach dem Input auch immer Zeit ist für Fragen. Aber der ist halt relativ begrenzt.
Moritz: Traut man sich oft auch nicht.
Ralf: Zumindest haben wir dadurch immer einen sehr guten Überblick über die Fragen, die Eltern zum Thema Medienerziehung und Social Media stellen. Und da wir unser kleines Studio nicht immer zur Verfügung haben, machen wir dreimal im Jahr jeweils eine Woche ausschließlich online Veranstaltungen mit verschiedenen Einrichtungen, die dann vor Ort für die Veranstaltung werben und sich darum kümmern, dass entsprechend viele Eltern dann auch angesprochen werden.
Moritz: Ja, genau. Und vor zwei Wochen fand wieder eine dieser Onlinewochen statt, wo wir dann jeweils abends immer einmal um 18:00 und dann nochmal um 20:00 jeweils 75 Minuten mit verschiedenen Eltern Gruppen gearbeitet haben. Und wo du gerade die Online Wochen ansprichst. Ich möchte nachher noch mal was von einer Beobachtung erzählen, die ich gemacht habe.
Ralf: Okay, da bin ich gespannt. Aber ich habe mich dann noch mal etwas ausführlicher mit dem Chat nach den Veranstaltungen beschäftigt. Und auch wenn es manchmal sehr spezielle Fragen gab, gibt es doch zwei Fragen, die eigentlich immer oder teilweise je Veranstaltung sogar mehrfach gestellt worden.
Moritz: Und zwar?
Ralf: Zum einen die Frage, wie alt ein Kind sein sollte, damit es ein eigenes Smartphone haben kann. Die andere Frage war, wie viele Stunden Bildschirmzeit am Tag oder pro Woche okay sind.
Moritz: Damit hätte ich ehrlich gesagt auch gerechnet.
Ralf: Ja, wir haben mal. Wir haben ja auch mal eine Folge hier im Podcast gemacht. Und zwar ist es die Folge, die Frage nach dem ersten eigenen Smartphone für Kinder vom 8. September 2025, in dem wir uns genau mit dieser Frage auseinandergesetzt haben. Wir sind damals zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht um ein pauschales Alter geht, sondern dass bestimmte Eigenschaften des Kindes entscheidend sind, also dass man nicht durch das Erreichen eines gewissen Alters automatisch kompetent genug ist, um ein Smartphone vernünftig zu bedienen oder zu benutzen. Und ich glaube, dass es sich lohnt, auch einmal darüber nachzudenken, wie das mit der Nutzungsdauer aussieht.
Moritz: Was ich interessant finde, ist, dass beide Fragestellungen, also die nach dem Alter und je nach der Nutzungszeit, die dann problematisch oder unproblematisch ist, so vermeintlich einfach zu beantworten scheinen. Und dabei ist es-
Ralf: Da haben wir in der Folge, die ich eben gesprochen habe, auch länger drüber philosophiert.
Moritz: Ja, genau. Und ich glaube, dass viele Eltern enttäuscht sind, wenn man dann nicht ganz klar sagen kann, das Kind muss 12 Jahre alt sein oder 14 oder 10. Weil dieses individuelle Beurteilen des Könnens des eigenen Kindes viel anspruchsvoller ist.
Ralf: Ja, und das war eigentlich auch zum großen Teil Konsens der Folge. Die Frage nach dem richtigen Alter für das erste eigene Smartphone. Ich habe bei unseren Onlineveranstaltungen das Gefühl, dass du bei der Frage nach der Nutzungszeit auch ich möchte nicht sagen ausgewichen bist.
Moritz: Nein, ich bin. Ich bin nicht ausgewichen. Oder ich hoffe, dass ich nicht so gewirkt habe. Ich habe den Eltern nicht den Gefallen tun können zu sagen, dass ein zehnjähriges Kind sollte so und so viele Stunden pro Woche online sein. Und wenn es dann zwölf ist, darf es etwas mehr sein, weil ich glaube, dass die Frage an der eigentlichen Problematik vorbeigeht.
Ralf: Was ist denn die eigentliche Problematik?
Moritz: Die Begrenzung der Nutzungszeit macht man ja nicht einfach so. Die Idee dahinter ist, dass das Kind vor einer Gefährdung oder negativen Einflüssen zu schützen. Negative Einflüsse auf die Entwicklung des Kindes. Da gibt es nach meinem Gefühl im Moment so die Stoßrichtung in der Diskussion, dass so wenig Bildschirmzeit wie möglich für das Kind am besten ist.
Ralf: Aber ich glaube, dass wir diese Diskussion jetzt nicht führen müssen. Die Nutzung von Bildschirmmedien hat viele positive Aspekte. So wenig wie möglich könnte auch bedeuten, Bildschirme gar nicht zu benutzen. Und das wäre schlecht. Kinder brauchen Bildschirmzeit.
Moritz: Was ist denn positiv für die Entwicklung eines Kindes, wenn es 20 Minuten am Tag immer wieder dasselbe Video auf Tiktok gucken würde? Jeden Tag.
Ralf: Das macht ja niemand.
Moritz: Ja, aber ich wollte mal ein Beispiel finden, dass das Nutzen von Medien nicht pauschal förderlich ist. Also genauso wie es nicht sinnvoll ist, gar nicht ist auch nicht zu sagen hauptsache irgendwie.
Ralf: Ja klar. Es kommt natürlich auch darauf an, was das Kind am Smartphone oder Tablet.
Moritz: Und diese Frage kommt meiner Meinung nach ganz oft zu kurz, wenn man in erster Linie über die Nutzungszeiten spricht. Also wenn Eltern jetzt nur darauf achten, dass das Kind nicht zu viel online ist oder mit deiner Anmerkung dann auch immer ein bisschen online ist, dann verliert man ganz leicht aus dem Blick, dass das eigentlich Wichtige ist nicht die Zeit, sondern das, was das Kind mit dem Handy macht. Und ich befürchte, dass es Eltern gibt, die meinetwegen mit Family Link oder mit der Bildschirmzeit beim iPhone dann die Zeiten begrenzen, meinetwegen auf 30 Minuten am Tag und das Gefühl haben, das Kind ist damit ausreichend geschützt.
Ralf: Aber selbst wenn das Kind in der Zeit nur schwachsinnige Videos guckt oder simple Spiele spielt, wird es zumindest nicht abhängig oder süchtig.
Moritz: Na gut, okay. Obwohl-
Ralf: Mein Gefühl ist neben den Sorgen, dass das Kind sich auf Chats mit problematischen Fremden einlässt, dass sie Opfer von digitaler Gewalt werden oder dass die Kinder nicht altersangemessene Inhalte konsumieren. Vielmehr die Social Media-Sucht. Ja, das ist eine ganz große Sorge. Und zumindest kannst du dieser Gefahr dann doch mit einer entsprechenden Zeitbegrenzung begegnen. Hier gilt dann vielleicht doch Je weniger, desto besser. Wenn du jetzt wirklich nur eine Stunde am Tag das Internet nutzt, kannst du zwar trotzdem in dieser einen Stunde sehr problematische Menschen kennenlernen oder kommunizieren oder auch Opfer von digitaler Gewalt werden. Aber Sucht in der Form ist dann eigentlich nicht möglich.
Moritz: Doch, ich glaube schon.
Ralf: Bei einer Stunde?
Moritz: Das Problem ist erst einmal, dass es zurzeit keine einheitliche, wirklich belastbare Definition von Sucht im Hinblick auf Social Media gibt. Also man sagt es immer so, also generell werden alle Krankheiten oder Gesundheitsstörungen im ICD-11 beschrieben und das ist im Prinzip dann von der WHO eine erstellte Liste, in der dann alle möglichen Krankheiten und die dazugehörigen Diagnoseschlüssel definiert werden. Und im ICD-11 gibt es das Krankheitsbild Gaming Disorder. Und das würde ich jetzt mal so mit Online Spielsucht übersetzen.
Ralf: Und die Nutzung von Social Media ist damit aber nicht gemeint.
Moritz: Nein, es heißt ganz eindeutig Gaming Disorder. Also es gibt noch die Kategorie, die so eine Art Sammelkategorie ist für problematische Verhaltensweisen mit Suchtcharakter. Aber eigentlich Social Media sucht keine definierte Sucht nach dem ICD-11.
Ralf: Aber es könnte noch kommen.
Moritz: Klar, die Diagnosen werden immer weiter aktualisiert und es hat auch sehr lange gedauert, bis Computerspielsucht in der Form aufgenommen wurde.
Ralf: Ja, aber wenn man dann in fünf Jahren festgestellt hat, dass es Social Media Sucht gibt, dann. Oder stellen wir uns mal andersrum vor In fünf Jahren stellt man fest, dass es keine Social Media Sucht gibt.
Moritz: Ja klar. Kann auch sein.
Ralf: Dann hätten manche Eltern ihre Kinder vielleicht unnötig geschützt, indem sie ihr Smartphone Nutzung am Tag auf eine Stunde begrenzen. Das finde ich aber immer noch besser, als wenn man andersrum in fünf Jahren feststellt, dass es definitiv eine Smartphone Sucht gibt und viele Eltern dann merken, dass es eigentlich zu spät ist, weil man das Kind zu lange zeitlich nicht begrenzt hat. Verstehst du, was ich meine?
Moritz: Klar, also gerade bei Kindern finde ich wichtig, dass man da nicht experimentiert, sondern im Zweifelsfall die Gesundheit besser schützt, als dass man unnötige Risiken eingeht. Aber ich glaube trotzdem, dass du schon bei einer Stunde Mediennutzung am Tag eine Form von Abhängigkeit entwickeln kannst.
Ralf: Da bin ich jetzt gespannt.
Moritz: Wenn ein Kind eine Stunde am Tag mit einem KI-Charakter-Chatbot beschäftigt ist, befürchte ich, dass es da zu einer sehr ungesunden Form von Abhängigkeit kommen kann.
Ralf: Das musst du, glaube ich, etwas genauer beschreiben.
Moritz: Die meisten Erwachsenen kennen Chatbots wie ChatGPT oder Gemini. Und diese Chatbots sind dazu gedacht, eigentlich eher so eine Art Assistenzsystem zu sein, das einem zwar Dinge erklärt und Formulierung übernimmt und bei der Problemlösung zu unterstützen. Aber sie sollen dir keine Beziehung suggerieren.
Ralf: Und das machen KI-Charakter-Chatbots.
Moritz: Ich überlege gerade, ob wir nicht eine extra Folge einmal zu KI-Charakter-Chatbots gerade für Kinder machen. Vielleicht gleich die nächste, Weil ich beschäftige mich ganz viel mit dem Thema.
Ralf: Fände ich auf jeden Fall gut.
Moritz: Dann vielleicht nur so viel an dieser Stelle. Mit einem KI-Charakter-Chatbot chattest du quasi mit einer ganz bestimmten Rolle. Das könnte zum Beispiel auch eine Anime Figur sein, die sich dann so verhält, wie jemand die Persönlichkeit in dieser Rolle mal definiert hat. Du könntest dir auch selber einen Charakter gestalten, könntest zum Beispiel dieser Rolle alle möglichen Eigenschaften zuschreiben, die du von einem perfekten Freund oder Freundin erwartest. Und dieser Chatbot ist dann darauf ausgelegt, durch diese festgelegte Persönlichkeit oder sagen wir mal besser durch die Simulation dieser Persönlichkeit, die eine Beziehung zu simulieren. Und oft sind diese Gespräche bewusst weniger sachlich als beispielsweise bei ChatGPT, sondern ganz gezielt emotional gestaltet.
Ralf: Ja, das klingt jetzt für mich ganz besonders für Kinder sehr riskant.
Moritz: Ja, ich denke, dass ein Risiko sein kann, dass du für dich zu dem Ergebnis kommst, dass es sich gar nicht lohnt, mit echten Menschen zu kommunizieren, wenn die KI so viel angenehmer ist.
Ralf: Und du glaubst das dann eine Stunde am Tag für ein Kind dann eigentlich schon zu viel Zeit ist?
Moritz: Ich glaube schon. Wenn du dreimal am Tag oder viermal jeweils 15 Minuten in irgendwelchen Krisensituationen mit so einem Chatbot kommunizierst und da wirklich Zuneigung empfindest oder auch viel mehr Zuneigung als von deinen Eltern oder von anderen Kindern und Jugendlichen in deinem Alter, dann kann meiner Meinung nach hier eine Abhängigkeit entstehen.
Ralf: Ich freue mich tatsächlich auf die nächste Folge. Ich würde das gerne noch viel mehr vertiefen.
Moritz: Ja, dann können wir da auch noch mal viel besser drauf eingehen. Aber das, was mir an dieser Stelle wichtig ist, ist, sich nicht darauf zu beschränken, die Zeit zu messen, sondern die Kinder ausreichend zu begleiten.
Ralf: Oder zu schützen.
Moritz: Und eine Stunde verstörende Pornografie am Tag macht vielleicht nicht abhängig. Oder vielleicht auch was weiß ich, aber hinterlässt auf jeden Fall Spuren in der Entwicklung des Kindes.
Ralf: Würdest du sagen, dass die Nutzungsdauer dann egal ist?
Moritz: Nein, auf keinen Fall. Du kannst das nicht so umdrehen. Ich glaube, dass es aber wichtiger ist, erst mal zu überlegen, warum wir die Mediennutzung zeitlich begrenzen wollen.
Ralf: Wir hatten eben den Punkt Sucht.
Moritz: Ja. Ich glaube, dass aber eigentlich grundsätzlich eine sehr, sagen wir mal, einseitige Freizeitgestaltung problematisch ist.
Ralf: Was meinst du damit?
Moritz: Weil dann kommen andere Dinge zu kurz. Also wichtige Dinge wären für mich als Vater beispielsweise Bewegung. Ich glaube, dass Bewegungsmangel generell ein großes Problem ist. Bei Kindern und Jugendlichen halte ich das noch mal für ein größeres Problem, wenn ein Mensch sich im Wachstum zu wenig bewegt. Und ich finde außerdem, dass ein Mensch auch hier wieder Kinder und Jugendliche die direkte Interaktion mit anderen Menschen, also sagen wir mal soziales Miteinander erlernen müssen.
Ralf: Also ohne Medien zu benutzen, oder?
Moritz: Ja, ich bin schon der Meinung, dass es Freundschaftsbeziehungen geben kann, die ausschließlich online stattfinden. Also wenn mir jemand sagt, dass er oder sie einen Freund oder Freundin hat, den man noch nie klassisch Angesicht zu Angesicht gesehen hat, also in Präsenz, wenn man so will, dann würde ich da nie widersprechen. Also Freundschaften, die in Computerspielen entstehen oder per Social Media, sind Freundschaften. Und es steht mir nicht zu, diese Freundschaften zu relativieren oder zu behaupten, dass es keine Freunde sind. Gleichzeitig glaube ich, dass ein Streit, den ich mit einer Person erlebe, die im gleichen Raum sitzt, oder ich einen Menschen tröste, der im gleichen Raum sitzt oder alles, was man so zwischenmenschlich erleben kann, also vieles auch nonverbal. Also ich kann das gerade nicht richtig beschreiben. Verstehst du, was ich meine?
Ralf: Wenn ich dich richtig verstehe, willst du sagen, dass es ausschließlich online Freundschaften oder das Kommunizieren sag ich jetzt mal Chaträumen keine klassische Face to face Beziehung ersetzen kann?
Moritz: Aus der Perspektive der betroffenen Person schon. Also ich kann mir vorstellen, dass es Jugendliche gibt, denen aus ihrer Wahrnehmung nichts fehlt, wenn sie in verschiedenen Onlinespielen immer wieder mit den gleichen Leuten spielen, denen sie auch vertrauen oder denen sie vielleicht auch viel anvertrauen und dort eine echte Freundschaft pflegen. Gleichzeitig glaube ich, dass die Identitätsentwicklung und das Erlernen zwischenmenschlicher Fähigkeiten teilweise auf Erfahrungen angewiesen ist, die online nur unzureichend abgebildet werden können.
Ralf: Die aber wahrscheinlich früher oder später im Leben dann doch wichtig sind.
Moritz: Ja, ich glaube, es ist ein Vorteil, wenn du beides kannst. Wenn du dich in Online Communities sicher und selbstbewusst bewegen kannst, aber gleichzeitig auch im Supermarkt oder bei einer großen Familienfeier oder bei der Arbeit oder so. Deshalb glaube ich, dass es einfacher ist, wenn Kinder auch mit anderen Kindern soziale Auseinandersetzungen nicht ausschließlich online haben, sondern auch physisch. Also nicht als Schlägerei, Also-
Ralf: Okay. Das heißt, dir ist Bewegung wichtig, physisch, sozial, Auseinandersetzung mit anderen Menschen.
Moritz: Und vielleicht noch so ein paar Dinge wie gesunde Ernährung, das Übernehmen von Verantwortung im Alltag, Unternehmungen an der frischen Luft und nicht zuletzt vielleicht auch Schlaf.
Ralf: Wahrscheinlich haben wir als Eltern auch alle unterschiedliche Schwerpunkte, sag ich jetzt mal.
Moritz: Ja, bestimmt. Also du hast da andere Schwerpunkte als ich. Und ich glaube, das ist wichtig, das erst einmal für sich zu definieren. Was ist mir als Elternteil wichtig? Und wenn dann am Ende des Tages alle wichtigen Dinge ausreichend stattgefunden haben, dann hat das Kind ein Recht auf Freizeit. Und wenn gar keine Freizeit mehr da ist, sollte überprüft werden, ob unsere Erwartungen nicht vielleicht doch ein bisschen unrealistisch hoch sind. Aber Freizeit sollte ein Kind auf jeden Fall haben. Und wenn das Kind dann in dieser Freizeit entscheidet, irgendetwas mit Bildschirmmedien zu machen und nichts von den genannten Sachen zu kurz kommt, dann ist meiner Meinung nach eigentlich gar kein Problem.
Ralf: Also geht es nicht darum, dass das Kind zu viel am Handy ist, sondern darum, ob etwas anderes Wichtiges zu kurz kommt.
Moritz: Genauso würde ich es formulieren, oder so formuliere ich es auch immer in unseren Veranstaltungen. Und ich glaube auch, dass ich so in der Online Veranstaltung gesagt habe Ja, das klingt vielleicht wie ausweichend, aber so ist es nicht gemeint.
Ralf: Ja, und Dinge passieren ja auch gleichzeitig, wenn sich eine Familie darauf geeinigt hat, beim gemeinsamen Mahlzeiten alle digitalen Bildschirmgeräte aus dem Esszimmer oder der Küche zu verbannen, ist ja auch eine physische Begegnung mit anderen Menschen.
Moritz: Das gleiche gilt auch für Sport, Sport am Nachmittag im Verein. Dass nicht nur Bewegung, sondern auch hier wieder eine physische Begegnung. Das würde zum Beispiel nicht gelten, wenn ein Kind, um den Bewegungsmangel etwas entgegenzusetzen, lieber joggen geht oder alleine mit dem Fahrrad herumfährt. Dabei hast du allerdings wieder den Aspekt der frischen Luft abgedeckt. Im Prinzip geht es darum, dass die Gestaltung des Alltags nicht zu einseitig ist, sondern dass all diese Punkte oder vielleicht noch ein paar mehr, die mir jetzt nicht eingefallen sind, idealerweise nicht zu kurz kommen sollten.
Ralf: Und was wäre jetzt, wenn mehrere Kinder gemeinsam draußen Pokemon Go spielen?
Moritz: Dann wäre das ein Beispiel dafür, dass mehrere Dinge gleichzeitig passieren. Wenn man dann irgendwelche Pokemons irgendwo findet, freuen sich die Kinder gemeinsam. Also Interaktion und frische Luft. Ich weiß nur nicht, ob Pokemon Go. Noch ein Thema ist.
Ralf: Na gut, das war jetzt nur ein Beispiel dafür, dass digitale Spiele auch gemeinsam gespielt werden können.
Moritz: Ja, ich würde da glaube ich eher an so Spiele denken wie Mario Kart. Also dass man vielleicht zu viert spielt.
Ralf: Okay, das macht mehr Spaß.
Moritz: Also im Wohnzimmer. Und das macht viel mehr Spaß als alleine. Oder ein anderes Beispiel ist Singstar. Also was auf der einen Seite natürlich ein Playstation Spiel ist, auf der anderen Seite aber auch ein Gesellschaftsspiel, wo die Auseinandersetzung mit anderen Menschen im Vordergrund steht. Und die Playstation. So gesehen eher so ein Hilfsmittel ist, um etwas gemeinsames, Lustiges zu erleben.
Ralf: Dann ist es nachdem was du beschreibst. Es ist aber doch fast unmöglich, Bildschirmzeit in irgendeiner Form zu messen. Wenn man dann sagt Playstation spielen ist alleine Bildschirmzeit, die begrenzt werden muss. Aber wenn ein Spiel gemeinsam gespielt wird, dann zusammen. Das ist irgendwie nicht. Wie soll das funktionieren?
Moritz: Ja, Was machst du mit einem Kind, das mit deinem E Book Reader den ganzen Nachmittag Romane liest? Das bewegt sich nicht, ist nicht an der frischen Luft und setzt sich nicht mit anderen Kindern auseinander. Musst du das begrenzen?
Ralf: Letztlich ist es doch egal, ob ein ob es ein Buch liest oder auf einem eBook Reader.
Moritz: Muss man Bücher lesen begrenzen?
Ralf: Naja.
Moritz: Aber wenn man jetzt über Medienzeit spricht, dann sind Bücher auch Medien, Hörspiele auch. Ein Kind, das 1995 ganz alleine vorm Kassettenrekorder sitzt und ein Hörspiel hört, setzt sich nicht mit anderen Kindern auseinander, bewegt sich nicht und ist auch nicht an der frischen Luft. Und so sind manche Eltern groß geworden.
Ralf: Aber es war noch nicht die Regel, dass sich Kinder zurückgezogen haben, um Hörspiele zu hören.
Moritz: Aber ich denke schon, dass es Kinder gab, schon immer, die sich medial abgelenkt haben. Also da ist die Funktion des Hörspiels vielleicht Ablenkung gewesen. Und wenn ein Kind jetzt so unglücklich in den 90er war, weil nachmittags niemand sich mit dem Kind verabreden wollte, dann war unter Umständen am Nachmittag ganz viel Langeweile da. Und dann hat man aus Langeweile ferngesehen oder Hörspiele gehört. Und es gab auch immer schon Momente in der Pubertät, in allen Generationen, wo diese ganzen Gedanken, die man sich machen muss, dazu geführt haben, dass man vielleicht auch einfach sich deshalb medial in Büchern verloren hat. Und diese Funktion oder Funktionen übernehmen heute digitale Medien wie Social Media.
Ralf: Das heißt, Medien werden auch genutzt, um der Realität zu entfliehen.
Moritz: Das bedient sich jetzt wieder dem Vokabular, mit dem man dann wieder sucht Mechanismen beschreibt. Und in manchen Fällen ist es aber wohl so und ich glaube, das ist zu kurz greift zu beurteilen, ob die Mediennutzung des Kindes im Rahmen ist. Wenn ich nur die Zeit messe, also die Funktion, die Inhalte, alles das.
Ralf: Ja, ich verstehe. Eigentlich müsste es um die Qualität der Mediennutzung gehen.
Moritz: Ja, es ist viel einfacher, die Quantität zu begrenzen, als die Qualität zu beurteilen. Generell geht es aber in der Medienerziehung nicht um den einfachsten Weg.
Ralf: Dann lass uns doch mal zusammenfassen Kinder können unter Umständen in sehr kurzer Zeit sehr problematische Erfahrungen mit dem Smartphone machen, die über den Nutzungszeitraum hinaus sehr negative Einflüsse auf das Kind haben können. Wer also glaubt, dass das Kind perfekt geschützt ist, wenn es maximal eine Stunde am Tag online ist.
Moritz: Da muss ich dir wieder ins Wort fallen. Entschuldigung, Ich kann mir vorstellen, dass es Tage gibt, an denen eine Stunde dann schon wieder zu viel sein kann. Also wir haben nicht über das Alter der Kinder gesprochen, aber gerade bei Kindern im Grundschulalter sind viele Erfahrungen wie meinetwegen Erfahrungen mit anderen Kindern in der frischen Luft noch viel wichtiger. Wenn es jetzt lange geregnet hat und die ersten schönen Sonnentage beginnen, ist eine Stunde zu viel. Aber wenn es draußen regnet, dann ist das halt mal eine Stunde. Da gibt es nicht viel zu verpassen.
Ralf: Es hat mir eben nicht so richtig gefallen an deinem Freizeitbegriff. Du hast es so dargestellt, dass Bewegung, frische Luft, gesunde Ernährung und die ganzen Punkte nicht zu kurz kommen dürfen. Und wenn dann noch Zeit ist, ist Freizeit. Jetzt glaube ich aber, dass viele Kinder das Spielen mit anderen Kindern an der frischen Luft auch als Freizeit empfinden.
Moritz: Ja, na klar.
Ralf: Zumindest hoffe ich das.
Moritz: Ja, das wird ganz bestimmt so sein. So habe ich das auch nicht gemeint. Also dass wir jetzt unsere Kinder zu treffen mit Freundinnen und Freunden an der frischen Luft oder zum Sport zwingen müssen. Also idealerweise machen sie das von alleine. Ich glaube, das Ziel von Erziehung, gerade von kleinen Kindern wahrscheinlich von den 0 bis 6-jährigen, sollte sein, dass sie alle diese Dinge so sehr lieben lernen. Also mit anderen Kindern was gemeinsam unternehmen. Und hier sind wir dann auch als Eltern wieder als Vorbilder enorm gefragt. Also wie gesellig sind wir als Erwachsene? Wie gestalten wir unsere Wochenenden? Was machen wir in unserer Freizeit? Und ich glaube, dass ganz viele Kinder ihre Eltern so wahrnehmen, dass, sobald die Kinder im Bett sind, die Eltern im Wohnzimmer sitzen, Netflix gucken oder sich sonstwie medial ablenken, um dann endlich irgendwann müde genug zu sein, um schlafen zu gehen. Das heißt außer arbeiten mit den Kindern essen und ins Bett bringen und dann endlich fernsehen. Scheinen manche Eltern im Alltag für ihre Kinder gar nichts anderes zu tun.
Ralf: Ja gut, aber wenn du Vollzeit arbeitest, dann hast du nicht viel Zeit für Hobbys. Und dann brauchst du vielleicht auch so ein Wochenende, um mal zu entspannen.
Moritz: Ja, und wenn entspannen, dann bedeutet, dass du dich irgendwo hinlegst und medial beschäftigst. Ist doch kein Wunder, dass das Kind das dann auch will.
Ralf: Das könnte auch mal ein Thema für unseren Podcast sein. Also einfach mal-
Moritz: Rumliegende Erwachsene.
Ralf: Nein, die Vorbildfunktion von uns Eltern. Ja, noch mal so ein bisschen präziser herauszuarbeiten. Gerade wenn es um kleine Kinder geht.
Moritz: Schreib das bitte auf deine Liste.
Ralf: Das werde ich machen.
Moritz: Das, was ich eigentlich sagen möchte, ist also wahrscheinlich. Ganz viele Eltern sind total sauer. Was machen die da? Nein, Ich glaube, dass die Begrenzung von Zeit vor allen Dingen bei den Kindern und Jugendlichen wichtig ist, die aus verschiedenen Gründen nicht von sich aus Wert auf Bewegung, gesunde Ernährung und was wir da alles aufgezählt haben, legen. Und da habe ich manchmal das Gefühl in den Diskussionen mit Schulklassen, dass da Kinder sind, die sagen Meine Eltern begrenzen meine Bildschirmzeit. Aber das ist mir eigentlich ziemlich egal, weil ich sowieso nicht so viel mit dem Handy mache. Also im Prinzip sind das Eltern, die die Kinder eigentlich unnötigerweise begrenzen. Gleichzeitig sind da Eltern. Wenn ich jetzt an die sechsten Klassen denke, die ihren Kindern die komplette Freiheit überlassen, selbst zu entscheiden. Und wenn man dann nachfragt, was diese Kinder so den ganzen Nachmittag machen, dann erzählen die, dass sie meinetwegen drei Stunden lang eigentlich nur Fortnite spielen.
Ralf: Und da aber vermutlich auch sehr erfolgreich sind.
Moritz: Ja klar, da bekommen sie viel Anerkennung für ihre Leistung in dem Spiel und ich möchte das nicht kleinreden, ich halte das auch für wichtig. Also Gaming ist auch ein wichtiges Hobby. Und die Erfolge in den Spielen verdienen Respekt. Für die Entwicklung des Kindes ist gleichzeitig wichtig, dass dieser ganze ich will es nicht schon wieder aufzählen. Bewegungskram und soweiter nicht zu kurz kommt.
Ralf: Ich glaube, dass Eltern es leicht haben, wenn das eigene Kind einen stabilen Freundeskreis hat, der sich regelmäßig draußen trifft, sobald die Sonne scheint. die sich gegenseitig inspirieren für unterschiedliche Hobbys dann auch mal was von Smartphone oder Videospielen machen. Zumindest haben sie es leichter, als wenn das Kind keine Freunde vor Ort hat, sondern im näheren Umfeld eher Ausgrenzung erlebt.
Moritz: Oder wenn man einfach weit weg wohnt von der Schule oder so?
Ralf: Ja, und hier begrenzt du jetzt als Eltern da nicht die Bildschirmzeit, sondern das Treffen mit den Freunden.
Moritz: Wenn sie sich online treffen?
Ralf: Genau.
Moritz: Und dann ist es auch nicht überraschend, dass die Kinder sich dann nicht an Vereinbarungen halten können oder wollen oder Dinge eskalieren.
Ralf: Ich möchte jetzt noch mal versuchen zusammenzufassen, was wir hier diskutiert haben.
Moritz: Der dritte Versuch.
Ralf: Ja, Es ist also absolut unzureichend, nur auf das zeitliche Ausmaß der Mediennutzung zu gucken. Wichtiger ist eigentlich, was die Kinder dort inhaltlich machen. Dein Beispiel mit dem Chatten mit einem KI-Charakter-Chatbot, über die wir dann in der nächsten Folge noch mal ausführlicher sprechen, braucht nicht viel Zeit. Um eine problematische Abhängigkeit zu erzeugen.
Moritz: Zumindest bei sehr jungen Kindern.
Ralf: Außerdem ist es wichtig zu begreifen, welche Funktion die Mediennutzung für das Kind hat. Und das, was dir ganz besonders wichtig ist, ist, dass die Mediennutzung in die restliche Gestaltung des Alltags, sag ich jetzt mal so, eingebunden wird. Kommen Dinge zu kurz?
Moritz: Ich glaube, die Aussage so wenig wie möglich ist nicht wirklich sinnvoll, sondern vielleicht eher so sinnvoll wie möglich in einem ausgewogenen, kindgerechten Alltag.
Ralf: Okay, das heißt, die perfekte Zahl für eine ganz bestimmte Nutzungszeit gibt es nicht.
Moritz: Kann ich mir eigentlich so nicht vorstellen.
Ralf: Okay, das können wir doch so stehen lassen.
Moritz: Anstrengend, oder? Mit mir zu diskutieren heute. Ich habe Bock.
Ralf: Du wolltest noch was zu unserer Onlineveranstaltung sagen. Bevor wir zum Schluss kommen, möchte ich noch kurz hinweisen auf eine Sendung im Deutschlandfunk.
Moritz: Genau. Ich versuche mich ganz kurz zu fassen. Und zwar sind wir immer davon ausgegangen, dass bei unseren Online Veranstaltungen Eltern teilnehmen und ausgeschrieben werden diese Veranstaltungen auch als Elternveranstaltungen. Mittlerweile glaube ich aber, dass es viel öfter ganze Familien sind, die vor den Geräten sitzen. Und da das Publikum sich ausschließlich über den Chat beteiligt und wir die Kamera nicht anhaben, also die Eltern, die Kamera nicht an, wir schon, wissen wir nicht, wer dann wirklich an diesen Veranstaltungen teilnimmt.
Ralf: Aber es ist ziemlich offensichtlich, dass auch Kinder dabei sind. Weil in den Chats dann steht. Mein Sohn sitzt neben mir und stimmt diesem oder jenem voll zu.
Moritz: Zumindest ist anders als angenommen, unsere Arbeit in diesem Bereich gar nicht unbedingt nur Elternarbeit, sondern vielleicht sogar so etwas wie Familienarbeit. Und ich war vorletzte Woche Samstag in Bensheim an der Bergstraße und habe da eine-
Ralf: Wo ist das, Moritz?
Moritz: An der Bergstraße.
Ralf: Ja, ich hab überhaupt keine Vorstellung wo du warst.
Moritz: Das ist zwischen Darmstadt und Mannheim ist das.
Ralf: Ah okay. Das kenne ich ja noch.
Moritz: Dort fand eine sehr beeindruckende Veranstaltung statt, bei der Familien eingeladen wurden, um sich mit verschiedenen Formen der Mediennutzung auseinanderzusetzen. Für die Kinder waren verschiedene digitale Angebote dabei. Insgesamt waren über 1000 Leute angemeldet und mein Job war, ein Impulsvortrag zu halten und dann noch an einem Fachgespräch teilzunehmen. Viele Grüße noch mal an das Team vor Ort. Es war großartig. Ich habe mich da sehr wohl gefühlt. Das Ganze war eine Open Air Veranstaltung und meine Kulisse. Du kennst ja meine Holzfiguren und diese Aufsteller ist ja mehrere Male umgefallen, weil bei strahlendem Sonnenschein ab und zu der Wind zugeschlagen hat. Ich musste ein bisschen improvisieren und hoffe, dass ich da keinen so schlechten Eindruck hinterlassen habe. Aber zumindest fragte mich eine Teilnehmerin aus dem Publikum bei dem Fachgespräch, bei welchem Alter der Kinder es sinnvoll ist, dass Veranstaltungen mit Eltern und Kindern gemeinsam stattfinden. Und ich fand die Frage total großartig und habe festgestellt, dass ich mir diese Frage noch nie ernsthaft selber gestellt habe, weil wir ja eigentlich immer unsere Formate nach Zielgruppen unterschiedlich gestaltet haben. Also entweder haben wir mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet oder mit Erwachsenen. Aber mit ganzen Familien zu arbeiten, haben wir konzeptionell eigentlich nie angeboten. Und dabei ist mir dann klar geworden, dass wir das bei den Onlineveranstaltungen unfreiwilliger Weise aber tatsächlich schon lange machen. Aber vielleicht sollten wir tatsächlich mal darüber nachdenken, ob wir nicht mehr Veranstaltungen machen sollten, ob jetzt online oder nicht. Wo man sagt, das ist ein Angebot für die ganze Familie oder vielleicht können ja sogar Kinder und Jugendliche unseren Podcast.
Ralf: Ja, das doofe bei allen Online Formaten im Prinzip ist ja auch bei diesem Podcast, dass wir gar nicht wissen, wer uns hört. Wir haben zwar eine Statistik und freuen uns, dass es auch immer mehr werden. Aber wir wissen nicht, wer es ist.
Moritz: Meine Idee ist, dass wir alle Eltern, deren Kinder, die vielleicht auch hier mit zuhören, also bei diesem Podcast einfach mal bitten, sich bei uns zu melden, ob das für die ganze Familie gewinnbringend ist oder ob es vielleicht auch konkrete Anregungen gibt, was wir anders machen müssten, um vielleicht Kinder besser ansprechen zu können. Oder wenn es denn gewünscht ist. Oder andersrum vielleicht auch weniger. Keine Ahnung, ob wir das machen.
Ralf: Ja, schreibt uns, wenn ihr nicht nur als Eltern oder Fachkräfte unseren Podcast hört, sondern wenn ihr selbst Kinder oder Jugendliche seid und wenn ihr als Eltern euren Kindern diesen Podcast auch vorspielt. Wir sind sehr gespannt auf eure Rückmeldung.
Moritz: Ja, gerne per Mail an podcast@smiley-ev.de oder über Spotify oder unsere Social Media Kanäle. Über diese Kanäle freuen wir uns natürlich auch über Rückmeldungen generell zu dieser Folge.
Ralf: Jetzt kommt von mir noch ein kurzer Nachtrag zu unserer Diskussion vom letzten Mal, als wir über das Problem der Bewertungskriterien in Schule von Klausuren oder Arbeiten gesprochen haben, wenn sie von den Schülerinnen und Schülern mit KI Unterstützung erstellt werden. Passend gab es im Deutschlandfunk eine Diskussionssendung dazu bei Campus und Karriere, und zwar am 9. Mai unter dem Titel "Präsentation statt Klausur. Moderne Prüfungskultur an unseren Schulen". Wir werden diese Sendung aus der Mediathek vom Deutschlandfunk in unseren Shownotes auf jeden Fall verlinken.
Moritz: Das machen wir.
Ralf: Und wir kommen zum Schluss. Als Folge zum Weiterhören schlage ich die Folge "Die Frage nach dem ersten Smartphone für Kinder" vom 8. September 2025 vor, oder?
Moritz: Das hätte ich jetzt auch gesagt. Ja, der nächste Medienerziehungs-Montag ist Montag, der 1. Juni.
Ralf: Und wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Moritz: Tschüss.
Moritz: Ich will hier gar nicht lange rumlabern. Ich gehe jetzt an die frische Luft.
Ralf: Ja, da gehören wir hin.