Transkript:
Moritz: Man muss es sich erlauben können, auf WhatsApp zu verzichten.
Ralf: Herzlich willkommen zu "Was mit Medienerziehung?". Dem Podcast von Smiley, dem Verein zur Förderung der Mediennutzung.
Moritz: Verein zur Förderung der Medienkompetenz.
Ralf: Na ja, das habe ich auf NDR Info etwas anders gehört.
Moritz: Ja, okay, das stimmt. Das müssen wir gleich erklären. Weiter im Text. Der Verein Smiley e.V. besucht Schulklassen, um eine verantwortungsvolle Nutzung von Social Media oder dem Smartphone generell zu diskutieren. Wir arbeiten mit Eltern und Fachkräften zum Thema Medienerziehung. Alle 14 Tage besprechen wir unsere Eindrücke und Erfahrungen aus der praktischen pädagogischen Arbeit in diesem Podcast. Und heute ist Montag, der 12. Januar 2026. Mein Name ist Moritz Becker.
Ralf: Und mein Name ist Ralf Willius.
Moritz: Verein zur Förderung der Mediennutzung.
Ralf: Ich glaube, diesen kleinen Scherz müssen wir wie gesagt erklären. Du wurdest interviewt vom NDR.
Moritz: Irgendwann vor Weihnachten.
Ralf: Genau. Und in diesem Beitrag in der Info wurdest du dann angekündigt als Mitarbeiter von Smiley e.V. und war da hieß es. Der Verein Smiley e.V. fördert die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, Eltern und Fachkräften. Und das ist eigentlich nicht so wirklich unser Vereinsziel.
Moritz: Genau. Und das, was ich bestimmt gesagt habe im Vorgespräch, oder ich hoffe zumindest, dass ich das gesagt habe, ist, dass wir die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern und mit Erwachsenen zum Thema Medienerziehung arbeiten. Aber darum geht es, nicht um die Förderung der Mediennutzung, sondern wenn man so will, wollen wir die kompetente Nutzung fördern. Aber egal.
Ralf: Vielleicht kannst du ja noch mal kurz erzählen, was der Anlass für das Interview war.
Moritz: Es ist so, dass das Ratsgymnasium in Osnabrück, soweit ich das verstanden habe, zum nächsten Schuljahr eine fünfte Klasse einrichten möchte, bei der die Eltern sich dazu verpflichten, dass die Kinder über die gesamte Zeit der fünften Klasse kein eigenes Smartphone bekommen. Also im Prinzip folgen sie da den Ideen von "Smarter Start ab 14".
Ralf: Genau. Wir hatten Tobias Windbrake als Interviewgast hier bei uns im Podcast. Der Verein "Smarter Start ab 14" setzt sich für eine Kindheit ohne Social Media und Smartphone ein und hat im Prinzip die Idee, dass wenn alle Eltern zusammenhalten ist für die Kinder einfacher ist, kein eigenes Smartphone zu nutzen.
Moritz: Ja, und wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Resonanz auf das Angebot in Osnabrück bei den Eltern so groß, dass es sich jetzt schon abzeichnet, dass sie vielleicht sogar zwei Klassen einrichten müssen. Und in diesem Interview wurde ich dann gefragt, was wir von dieser Idee halten. Und das Gespräch wurde dann in Ausschnitten vom NDR Fernsehen und wie gesagt in dem NDR Info Beitrag, von dem du gesprochen hast, gesendet.
Ralf: Wir können den Beitrag ja in den Shownotes verlinken, falls sich jemand damit intensiver beschäftigen möchte. Was hältst du grundsätzlich von diesem Ansatz in Osnabrück?
Moritz: Ja, ich finde es erst mal spannend und freue mich jetzt schon auf die Erfahrung, die die Lehrkräfte, aber auch die Eltern und vielleicht auch die Kinder da in Osnabrück machen werden. Grundsätzlich würde ich sagen, dass ein Kind ja eigentlich kein eigenes Smartphone also im Sinne von Besitz oder Eigentum braucht. Sondern das Bedürfnis der meisten Kinder ist er ja angemessen mit den anderen Kindern oder auch der Familie kommunizieren zu können. Und in unseren Veranstaltungen empfehlen wir ja im Prinzip auch immer so etwas für den Anfang wie so ein Familienhandy oder Küchen Smartphone oder wie auch immer man das nennt, das den Kindern zur Verfügung gestellt wird. Wo aber klar ist, dass es nicht dem Kind gehört. Also wo dann auch ganz authentisch von den Eltern festgelegt werden kann, dass das Handy meinetwegen nur in Anwesenheit der Eltern oder nicht im eigenen Zimmer oder sonst wie genutzt werden kann. Und auf diese Weise können Kinder dann ja im Beisein der Eltern meinetwegen Youtubevideos gucken oder auch mit anderen chatten, was dann so eine ganz unaufgeregte Begleitung ermöglicht. Und da ist es für mich dann ja sehr kleinteilig zu beurteilen, ob ein solches Kind dann ein Smartphone hat und dann in eine solche fünfte Klasse gehen darf, oder ob auch diese Form von begleiteter Nutzung eigentlich nicht im Sinne einer smartphonefreien Kindheit ist. Und ich glaube, dass die Übergänge da einfach sehr fließend sein können in der Praxis. Also wenn jetzt ein Kind meinetwegen auf dem Handy der Eltern ein ganz bestimmtes Spiel spielen darf und dann in der Schule die ganze Zeit davon redet, wollen die anderen Kinder vielleicht dann auch dieses Spiel spielen? Das gleiche gilt für irgendwelche Videos und was weiß ich. Und ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen tatsächlich sich da jetzt ergeben. Also ob es zum Beispiel Konflikte gibt zwischen den Eltern, die anderen Eltern dann vorwerfen, dass sie dem Kind vielleicht zu viel mit dem Handy, also mit dem Handy der Eltern erlauben oder meinetwegen mit dem Familienhandy. Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu kritisch, Ich weiß es nicht. Also so habe ich mich in dem Interview, glaube ich, auch geäußert dann.
Ralf: Ich kann mir auch vorstellen, dass es Konflikte zwischen den Kindern und den Eltern geben kann. Das hast du ja auch in dem Interview Ausschnitt beschrieben, dass die Idee vielleicht Anfang des Schuljahrs auch für die Kinder noch mal logisch klingt. Dass man vielleicht auch gar kein Smartphone braucht, so wie man das vielleicht auch in der Grundschule nicht brauchte oder kennt. Im Laufe des Schuljahres kann es dann aber schwierig sein, wenn jetzt außerhalb der Schule Kontakte zu anderen Kindern auf einmal, wenn es da ganz selbstverständlich ist, meinetwegen sich zu verabreden per WhatsApp Chat.
Moritz: Ja, und mir fällt auch kein anderer Bereich ein, in dem eine Schule eine Schulklasse anbietet, wo die Eltern so eine vergleichbare Selbstverpflichtung abgeben müssen, wie sie ihr Kind, ja letztendlich wie sie ihr Kind erziehen. Und ich glaube, dass für die Eltern das erst mal entlastend zu sein scheint in der Diskussion mit den Kindern. Weil die können dann zu Hause immer sagen Du weißt doch, du bist ja in der smartphonefreien Klasse und deshalb dürfen wir dir gar nicht erlauben, ein Smartphone zu besitzen, dann.
Ralf: Ja, aber für das Kind reichen diese Entscheidungen der Schule dann ganz schön weit auch in den privaten Alltag rein.
Moritz: Ja und ich glaube, dass ich persönlich. Also bei mir steht es jetzt nicht an, weil ich kein Kind in dem Alter habe, aber ich würde das für mein Kind glaube ich, so nicht wollen. Und ich glaube, ich würde mir auch zutrauen als Vater, unabhängig von dem, was in anderen Familien los ist, eigene Entscheidungen zu treffen oder die dann auch umzusetzen. Aber das ist. Ich würde sagen, meine ganz persönliche Haltung, also gar nicht unbedingt fachlich begründet. Und ich denke, dass das auf jeden Fall, wie gesagt ein spannendes Projekt ist. In einer Zeit, in der wir im Zusammenhang mit Digitalisierung vielleicht auch wirklich viel ausprobieren müssen oder auch viele Erfahrungen sammeln sollten. Und genau auf diese Erfahrung freue ich mich. Und wie sollen wir rausfinden, was wirklich richtig ist im Bereich von Medienerziehung, wenn wir uns auch nicht mal trauen, ganz andere Wege zu gehen?
Ralf: Ja, du hast gerade gesagt, dass du dir als Vater zutrauen würdest, unabhängig von anderen Eltern Entscheidungen über die Mediennutzung des eigenen Kindes zu treffen. Aber ich glaube, dass sich das hier im Podcast ja auch ganz einfach sagen lässt.
Moritz: Wie meinst du das?
Ralf: Ja, ich erlebe Eltern in Veranstaltungen oft, dass genau das nicht so einfach ist, das den schwerfällt. Nicht so einfach wie du es dargestellt hast. Also um unabhängig von den Entscheidungen anderer Eltern für das eigene Kind zu entscheiden.
Moritz: So erlebe ich Eltern auch.
Ralf: Ja. Dabei geht es um die Angst, dass das Kind beispielsweise im Klassenverband dann Ausschluss erlebt, wenn es nicht im Klassenchat ist oder wenn alle Freundinnen und Freunde per WhatsApp kommunizieren, besteht auch hier die Sorge, dass das eigene Kind dann vielleicht gewisse Dinge nicht mitbekommt oder bei Verabredungen schlicht und einfach vergessen wird.
Moritz: Ja, aber ich glaube, dass das auch passieren kann.
Ralf: Aber nicht muss?
Moritz: Nein, es muss nicht. Also ich glaube, dass es Kinder gibt, die tatsächlich WhatsApp überhaupt nicht brauchen. Und das verunsichert dann manche Eltern auch wieder, wenn die dann von anderen Eltern hören, welchen hohen Stellenwert WhatsApp im Alltag der Kinder einnimmt. Beim eigenen Kind aber so gar nicht.
Ralf: Ja, kannst du dich erinnern an die Podcastfolge, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, wie man damit umgeht, wenn das Kind Angst vor der Nutzung von Social Media hat?
Moritz: Ja.
Ralf: Ich habe die Folge gerade gestern gehört, weil ich nachhören wollte, wie wir 2024 und 25 die erste Folge im Jahr begonnen haben.
Moritz: Wow.
Ralf: Wir haben In der Folge vom 8. Januar 2024 haben wir erst mal geklärt, bis wann man noch seriöser Weise ein frohes neues Jahr wünscht.
Moritz: Ja, ich glaube in den ersten zwei Wochen ist es okay. War das nicht so?
Ralf: Genau. Wir haben in der Folge uns auch damit beschäftigt, wie mit Ängsten umzugehen ist, die Kinder vor Social Media haben und dass es nicht sinnvoll ist, diese Ängste zu schüren, sondern eher die Kinder zu sensibilisieren für die tatsächlichen Gefahren.
Moritz: Genau. Und dadurch zu stärken.
Ralf: Ja, aber nicht darauf zu bauen, dass die Kinder durch die Angst langfristig geschützt sind, weil sie Social Media aktuell nicht nutzen. Wir haben in der Folge beschrieben, dass es Kinder gibt, die aus Angst WhatsApp nicht nutzen wollen, beispielsweise weil sie Angst haben, dort fertiggemacht zu werden. Oder dass das Mobbing aus dem Schulalltag online dann dann weitergeht. Jetzt hast du aber eben Kinder angesprochen, die unter Umständen WhatsApp wirklich gar nicht brauchen. Lass uns doch mal genau über diese Kinder sprechen.
Moritz: Also die, die kein WhatsApp brauchen?
Ralf: Genau.
Moritz: Ich glaube, dass man bei der Nutzung von Chats oder vor allem Chatgruppen.
Ralf: Also beispielsweise WhatsApp Chats.
Moritz: Also in der Regel ist das zurzeit WhatsApp. Was könnte auch Signal oder in anderen Fällen auch Snapchat sein. Also ich glaube, dass bei uns Erwachsenen bei der Nutzung von Chatgruppen immer als erstes das Organisieren im Mittelpunkt steht. Wie-
Ralf: Wie bei Eltern-Chatgruppen in Kindertagesstätten. Da geht es um das Organisieren des Alltags rund um die Kita.
Moritz: Genau. Zumindest ist das der Gedanke, weshalb diese Chatgruppen gegründet werden. Und nehmen wir mal so ein Beispiel aus dem Alltag in der Familie, meinetwegen mit Bezug zum Sportverein. Da gründet der Trainer oder die Trainerin eine Gruppe mit den Eltern, um beispielsweise zu klären, wer die Kinder zu einem Wettkampf fahren kann. Oder vielleicht auch mal mitzuteilen, wenn das Training mal nicht stattfindet oder so. Und so blicken viele von uns wahrscheinlich auch auf die Klassenchats einer Schulklasse.
Ralf: Das heißt, auch hier wird dann alles Mögliche besprochen, wie Hausaufgaben oder irgendwelche organisatorischen Dinge. Und wenn ich mir jetzt als Kind-
Moritz: Das nehmen wir zumindest an, als Erwachsene.
Ralf: Und wenn ich mir als Kind morgens in der Schule aufschreibe, welche Hausaufgaben ich habe oder aufhabe, dann dann brauche ich nachmittags auch nicht im Klassenchat nachfragen. Und ich habe oft den Eindruck, dass für die Kinder der Klassenchat so ein Ersatz Hausaufgabenheft ist, weil sich Kinder darauf verlassen. Irgendjemand wird im Chat schon schreiben, was da noch zu tun ist.
Moritz: Ja, das heißt, wenn du kein WhatsApp hast, kannst du unter Umständen besser lernen, dich alleine zu organisieren.
Ralf: Ja, vielleicht. Zumindest könnte es so sein, dass ein Kind, das den Klassenchat seltener nutzt, sich vielleicht gut alleine organisieren kann und es deshalb gar nicht so oft notwendig ist, online zu sein, um irgendwelche Hausaufgaben nachzufragen oder so.
Moritz: Oder manchmal ist es vielleicht auch so, dass das Kind den Ehrgeiz hat, Dinge allein zu organisieren. Ob das dann immer klappt, Es vielleicht gar nicht so wichtig.
Ralf: Das stimmt. Aber zumindest kann man sagen, dass ein Klassenchat für die Kinder, die sich vielleicht eher schlechter selbst organisieren können, wichtiger ist als für Kinder, die das sehr selbstständig meinetwegen machen, Hausaufgaben aufschreiben oder was sonst so an organisatorischen Dingen zu erledigen ist oder wichtig ist.
Moritz: Ja, also in Workshops mit Schulklassen frage ich grundsätzlich eigentlich nicht so, wer von den anwesenden Schülerinnen und Schülern kein WhatsApp hat, weil ich die Sorge habe, dass ich auf diese Art und Weise Kinder zwinge, sich zu melden, denen das dann vielleicht sehr unangenehm ist, weil sie vielleicht auch darunter leiden, dass sie kein WhatsApp haben oder so. Andersrum passiert es aber schon, dass Kinder von sich aus sagen, dass sie kein WhatsApp haben. Und manche machen das dann auch so mit einem gewissen Stolz, verkünden das regelrecht. Und das erlebe ich auch bei manchen von uns Erwachsenen, die dann, wenn-
Ralf: Genau die Menschen, die ich kenne, die WhatsApp wirklich zu 100 % ablehnen, sagen das auch mit einem gewissen Stolz. Vielleicht, manchmal sogar eher kann man sagen missionarisch.
Moritz: Ja, klar.
Ralf: Also die wollen sagen guck mal, ich benutze kein WhatsApp und lebt noch. Also kannst du das auch.
Moritz: Ja, vor allen Dingen in Gesprächen, wo sich einzelne sehr genervt von so Chatgruppen zeigen. Also das erlebe ich ganz besonders in Fortbildungsveranstaltungen, wo ich dann beschreibe, wie viele Nachrichten sich die Kinder in so WhatsApp Chats schicken und zu welchen Uhrzeiten und so, Dann entsteht der Eindruck, dass das wahnsinnig nervig sein muss, jeden Tag so viele Nachrichten zu empfangen. Und da passiert es nicht selten, dass die Teilnehmenden in den Fortbildungen jetzt meinetwegen Lehrkräfte oder Fachkräfte aus der Jugendhilfe so Dinge sagen wie So geht es mir als Erwachsener oder als Erwachsener aber auch.
Ralf: Ja, da musste ich vorhin auch schon dran denken. Diese Elternchats erlebe ich ja auch oft als wahnsinnig anstrengend.
Moritz: Ja, da passiert es ganz oft in Fortbildung, dass jemand sagt ich habe aus diesem Grund kein WhatsApp und werde es auch niemals haben wollen. Und ich frage dann immer nach Hast du oder haben sie das Gefühl, etwas zu verpassen?
Ralf: Und was antworten die Menschen?
Moritz: In seltenen Fällen kommt so etwas unsicher. Weiß ich gar nicht. Aber meistens ist es so, dass sehr überzeugt sofort gesagt wird Nein, ich verpasse gar nichts. Und nach einer kurzen Pause vielleicht noch. Zumindest nichts Wichtiges.
Ralf: Okay.
Moritz: Und in den Fortbildungen sitzen dann ganz viele Teilnehmende, die zum Teil dann etwas ratlos, aber vielleicht auch ein bisschen neidisch auf diese Person blicken. Und ich finde es immer wieder spannend, wer diese Menschen sind, die auf jeden Fall auf WhatsApp verzichten können.
Ralf: Ja, und wer ist das?
Moritz: Fast immer Männer.
Ralf: Männer?
Moritz: Ja. Erst dachte ich immer, dass es für Menschen einfacher ist, auf WhatsApp zu verzichten, die keine eigenen Kinder haben. Also, falls es nicht so viel zu organisieren gibt, dachte ich immer Aber das stimmt gar nicht. Es gibt Menschen, die, obwohl sie Kinder haben, trotzdem kein WhatsApp haben. Und das sind Männer.
Ralf: Also Väter?
Moritz: Ja. Weißt du, warum?
Ralf: Weil Männer sich vielleicht. Das klingt jetzt ein bisschen doof, aber vielleicht mehr mit Technik auseinandersetzen und besser Bescheid wissen über Datenschutzproblematik, oder so?
Moritz: Nein, nein. Das ist die erste Begründung, die auch von den Teilnehmenden genannt wird. Und wenn ich danach frage Wie ist denn das, wenn das Kind jetzt im Sportverein oder so aktiv ist und es da Elternchats gibt? Wie erfahren Sie denn dann als Vater, wenn das Training ausfällt?
Ralf: Ich bin gespannt.
Moritz: Dann sagen die ganz ehrlich: Von meiner Frau erfahre ich, dass meine Frau, also die Mutter der Kinder, die selbstverständlich in diesen ganzen Chatgruppen drin, das heißt die Mütter übernehmen so etwas wie eine Sekretärin Funktion für die Väter, die wunderbar ihre Daten schützen können, weil sie vielleicht auch gar keine Lust haben, mit anderen Eltern in irgendwelchen Chatgruppen zu sein. Und das Ganze funktioniert wirklich nur, weil die Mütter auf ihr Recht auf Datenschutz verzichten und stellvertretend für jetzt auch den Vater in den entsprechenden Chatgruppen drin sind.
Ralf: Krass.
Moritz: Also das ist jetzt natürlich sehr vorurteilsmäßig argumentiert und stereotypisch. Und ich habe eine Freundin, von der weiß ich, dass es da genau andersrum ist. Aber ich glaube, grundsätzlich ist es schon so, dass die Mütter dann so diese Form von Carearbeit auch im WhatsAppchats übernehmen, obwohl das total nervig ist und Männer sich da eher rausziehen. Wie so oft im Leben leider immer noch.
Ralf: Was bedeutet das jetzt für Kinder, die kein WhatsApp haben?
Moritz: Na ja, wenn du einen Stellvertreter oder Stellvertreterinnen im WhatsApp Chat hast, dann musst du nicht unbedingt drin sein. Das gilt für Kinder auch.
Ralf: Ah, verstehe. Das heißt, wenn das Kind selber kein WhatsApp nutzen möchte oder vielleicht auch nicht nutzen darf, aber einen guten Freund oder Freundin hat oder einen anderen, der ihm auf dem Schulweg zum Beispiel erzählt, was gestern ein Thema im Klassenchat war, verpasst das Kind gar nicht so viel.
Moritz: Oder du kannst direkt auf dem Handy vom Freund oder von der Freundin auf dem Schulhof nachsehen, was da gestern los war. Die verpassen nichts.
Ralf: Das heißt, wenn du großes Glück hast in deiner Peergroup eine Person zu haben, die immer an dich denkt, dann verpasst du auch nichts.
Moritz: Genau. Und das wäre der ganz wichtige Punkt an dieser Stelle, dass die Kinder die sehr stabile Beziehung zu anderen Kindern aus der Klassengemeinschaft oder dem Sportverein oder wer auch immer jetzt diese von dir so genannte Peergroup ist.
Ralf: Bezugsgruppe wäre ein gutes deutsches Wort für Peergroup.
Moritz: Ja, was wollte ich jetzt sagen?
Ralf: Dass du immer eine Sekretärin brauchst, wenn du kein WhatsApp hast.
Moritz: Oder Sekretär.
Ralf: Aka Freundin oder Freund.
Moritz: Ein deutsches Wort für Aka wäre dann also known as.
Ralf: Auch bekannt als.
Moritz: Was?
Ralf: Du hast gerade gesagt, das deutsche Wort für aka wäre also known as, aber das ist immer noch nicht deutsch, das deutsch wäre-
Moritz: Ja, ist gut.
Ralf: Okay, es wird ja auch diskutiert, welches Video man gerade auf YouTube gucken sollte oder über Fußball oder sonst welche Hobbys diskutiert. Und wenn du dann am nächsten Morgen in der Schule auf dem Schulhof nicht mitreden kannst, was nachmittags im Chat los war, dann kann das unter Umständen auch eine sehr, ein sehr unangenehmes Gefühl sein.
Moritz: Ja, ich bekomme das jetzt nicht mehr so richtig zusammen. Ich versuche das mal so aus meinem Halbwissen heraus zu zitieren, ohne Quellenangabe.
Ralf: Ist ja generell so üblich.
Moritz: Ja, leider. Ich hätte das jetzt nur gerade gerne recherchiert, bevor ich sie erzähle. Aber es muss man in den 80er Jahren eine Studie oder Untersuchung gegeben haben, wo man herausfinden wollte, ob Kinder, die in ihrer Freizeit wenig oder kein Fernseh gucken, in der Schule zu Außenseitern und Außenseitern werden, weil sie dann da nicht mitreden können.
Ralf: Da hast du mir schon mal ein erzählt, vielleicht sogar hier im Podcast. Weiß ich gar nicht.
Moritz: Ja, weiß ich auch nicht, sonst wiederhole ich mich einfach. Demnach gibt es wohl Kinder, die am nächsten Morgen auf dem Schulhof zwischen anderen Kindern stehen, die alle über eine Fernsehserie von gestern diskutieren, die das Kind nicht gesehen hat und die sich deshalb dann eher zurückziehen, weil sie meinetwegen traurig sind, dass sie nicht mitreden können. Und das kann dann unter Umständen dazu führen, dass ein solches Kind im schlimmsten Fall Außenseiterin oder Außenseiter wird.
Ralf: Ich meine mich zu erinnern. Das Gegenteil kann auch passieren.
Moritz: Genau. Es gab wohl bei der Untersuchung Kinder, die standen dann bei den anderen Kindern dabei, die die ganze Zeit über die Fernsehserie gesprochen haben, die das Kind nicht gesehen hat. Aber diese Kinder haben sich nicht zurückgezogen, sondern überlegt Was muss ich jetzt tun, um interessanter zu sein als das Gespräch über die Fernsehserie? Und die haben. Diese Kinder haben sich dann irgendeinen Witz ausgedacht und gesagt Hey, tut mir leid, ich habe zwar eure Serie nicht gesehen, aber ich habe gestern einen neuen Witz gehört und der geht so und auf diese Art und Weise haben die Kinder, gerade weil sie wenig ferngesehen haben, aus der Notwendigkeit heraus, interessanter als das Gespräch zu sein, das Talent entwickelt, mit Kreativität und einem schnellen Einschätzen, was jetzt gerade unterhaltsam sein könnte, sich in die Gruppe zu integrieren. Und dieses Talent schützt Sie unter Umständen dann vor Ausgrenzung.
Ralf: Ja, aber dazu brauchst du aber auch erst mal Mut. Also dich wirklich da hinzustellen und dich zu trauen, in der Konkurrenz zu WhatsApp von gestern aufzutreten.
Moritz: Ich glaube, dass selbstbewusste Kinder eher die sind, die kein WhatsApp brauchen.
Ralf: Mir fällt dazu ein, was du mal aus einer siebten Klasse berichtet hast. Weißt du noch, diese Mädchen Chatgruppe, wo es ums Schminken ging?
Moritz: Ja, klar, erzähle ich immer.
Ralf: Du hast erzählt, dass es in den Mädchen dieser siebten Klasse war, es, glaube ich, morgens vor der Schule immer geklärt wurde, ob man sich heute schminkt oder nicht.
Moritz: Genau. Die Mädchen haben das so dargestellt, dass es total unangenehm ist, wenn alle geschminkt sind und ein einzelnes Mädchen nicht geschminkt ist oder andersrum total overdressed in die Schule kommt.
Ralf: Ja, ich finde es sehr bedeutsam, weil es den Mädchen in diesem Fall zum einen natürlich eine gewisse Individualität nimmt, aber gleichzeitig auch Ängste.
Moritz: Ja, es geht um Ängste und das ist für mich in Fortbildungen gerade mit Lehrkräften auch mal extrem wichtig, weil manchmal gibt es da so die Haltung, dass dann gesagt wird, eigentlich braucht man keinen Klassenchat. Und das ist wirklich auch nicht notwendig, ist meinetwegen vor der Schule online zu gehen oder so und ich erzähle dann immer von dem von dir jetzt gerade beschriebene Chat in der siebten Klasse. Und da gibt es dann immer sehr unterschiedliche Reaktionen bei den Lehrkräften. Die einen sagen auch, dass es problematisch ist, wenn man sich dann nur noch so dem Mainstream entsprechend verhält, während andere sehr nachdenklich werden und beispielsweise mal eine Lehrerin sehr gerührt und auch sehr rührend beschrieb, dass sie selber als Kind in der Schule immer Angst hatte, in der Schule ausgelacht zu werden und dass sie morgens immer vor der Schule total unsicher war, was sie anziehen soll, weil sie immer Angst hatte, anders zu sein. Weil Anderssein in ihrer Erfahrung als Kind immer dazu geführt hat, ausgelacht zu werden.
Ralf: Das gab es auch in meiner Schulzeit.
Moritz: Ja, klar. Und als diese Lehrerin das so deutlich beschrieben hat, habe ich in den Gesichtern der teilnehmenden Lehrkräfte gesehen, wie sie auf einmal sehr nachdenklich wurden und eine völlig andere Funktion von WhatsApp Chats begriffen haben.
Ralf: WhatsApp vermittelt hier Kindern eine gewisse Sicherheit, die Angst vor Ausgrenzung haben.
Moritz: Ja, und es erspart ihnen vielleicht nicht nur die Angst, sondern vielleicht auch wirklich die Situation, auf dem Schulhof ausgelacht zu werden, weil man vielleicht auch unfreiwillig anders ist als der Mainstream. Und das bist du dann halt nicht mehr.
Ralf: Ja, stimmt. Es kann ja auch so sein, dass wenn, wenn ich jetzt weiß, alle sind geschminkt, dass ich mir dann sage, ich schminke mich trotzdem nicht. Vielleicht, weil ich auch ganz bewusst auffallen will?
Moritz: Ja, ja, klar. Und wenn du entsprechend selbstbewusst bist, dann sagst du dir Es ist mir doch völlig egal, Meinetwegen, wenn die anderen über mich lachen.
Ralf: Und das ist noch ein anderer Punkt als nur ein guter Freund oder eine gute Freundin, die hier individuell informiert über das, was man verpasst. Das heißt, man kann sagen Kinder, die informiert werden über das, was im Chat passiert. Die selbstbewusst sind und keine Angst vor Ausgrenzung in der Klassengemeinschaft haben müssen, können vermutlich eher auf WhatsApp verzichten als Kinder, bei denen das nicht so ist.
Moritz: Ja. Ein weiterer Punkt, weshalb Kinder vielleicht kein WhatsApp brauchen, wäre, wenn ich sage mal die Klassengemeinschaft tatsächlich egal ist. Also mir erzählte neulich eine Mutter, dass ihr Sohn. Also man muss dazu sagen, dass die in sehr im ländlichen Bereich wohnen und das Dorf in dem sie leben, 25 Kilometer von der Schule entfernt ist. Also dass ihr Sohn nur einmal am Tag sein Smartphone bräuchte, um ganz kurz zu gucken, was so los ist und ist dann meistens nach zwei Minuten wieder weg legt und anschließend telefoniert er dann mit zwei drei Freunden aus dem Dorf und ist den ganzen Tag beschäftigt. Und sie sagte, dass der Junge sich grundsätzlich in der Schule sehr wohl fühlt und er in der Schule auf gar keinen Fall ausgegrenzt wird, er sich aber für seine Mitschülerinnen und Mitschüler nach Schulschluss so gut wie gar nicht mehr interessiert. Zum einen, weil die alle 25 Kilometer weit weg wohnen und zum anderen, weil er einfach seine Leute im Dorf hat.
Ralf: Hier würde ich noch eine kleine Einschränkung machen wollen Es könnte sein, dass der Klassenchat manchen Kindern wirklich egal ist, aber dafür andere Chats wichtig sind. Vielleicht gibt es auch hier einen Dorfkinder Chat oder eine Gruppe oder irgendwas, wo man dann drin sein muss, um nicht zu verpassen. Von daher würde ich sagen, der letzte von dir genannte Punkt betrifft in erster Linie WhatsAppchats mit Schulbezug, die dann nicht gebraucht werden.
Moritz: Ich wollte eigentlich nur sagen, dass es halt auch ein sehr gesundes Desinteresse an der Klassengemeinschaft geben kann, also zumindest über den Schulalltag hinaus.
Ralf: Ich denke, dass alle diese Überlegungen hilfreich sein können. Also für Eltern, die sich nicht sicher sind, ob sie ihrem Kind WhatsApp erlauben wollen oder nicht. Wenn mein Kind eher unsicher ist oder vielleicht auch Angst hat, in der Schule ausgelacht zu werden und keine Bezugsperson in der Klasse. Hat die einen informiert. Kann es sein, dass hier ein Verbot von WhatsApp viel weitere Kreise zieht als bei Kindern, bei denen es halt nicht so ist?
Moritz: Ja, was ich dabei aber so schwierig finde, ist, dass es für viele Eltern. Und ich glaube, das würde auch für mich so gelten, so erstrebenswert klingt, dass das Kind selbstbewusst, selbstbestimmt oder von mir aus gut integriert ist. Und dass es im Ergebnis dann auf WhatsApp verzichten kann. Vielleicht ist das auch so etwas wie ein Erziehungsziel, genau das hinzubekommen. Und da gibt es Eltern, die dann sagen Damit mein Kind so sein wird, verbiete ich ihm WhatsApp. Und ich glaube, dass genau das nicht funktioniert. Also das Verzichten auf WhatsApp ist ja nur dann ein Verzichten vonseiten des Kindes, wenn es WhatsApp nutzen könnte. Also dass einem nicht verboten wird, man es aber trotzdem nicht benutzt.
Ralf: Naja, wenn du WhatsApp hast und die Klasse gründet einen geheimen Klassenchat, in dem du dann nicht bist, können sie ja trotzdem alle besprechen, was man sich heute anzieht und du bekommst das nicht mit.
Moritz: Ich wollte nicht sagen, dass das Benutzen von WhatsApp eine Garantie gegen Mobbing ist. Und ich glaube, das was du gerade beschrieben hast, ist ja wirklich ein aktives Ausgrenzen und Züge von Mobbing. Ja, aber das, was wir vorhin beschrieben haben, ist ja kein Mobbing, sondern das passiert ja von ganz alleine. Also wenn früher alle auf dem Schulhof zusammen gestanden haben, über eine ganz bestimmte Fernsehserie zu sprechen, die ein Kind nicht gesehen hat, dann ist es einfach so passiert. Und es hat ja niemand gesagt Lass uns mal ganz bewusst heute Nachmittag die und die Fernsehserie gucken, die Person XY nicht gucken darf.
Ralf: Ja, und wenn das das Ziel gewesen wäre, wäre das unter Umständen auch damals schon eine Form von Mobbing gewesen.
Moritz: Genau. Und Mobbing ist Mobbing. So, also da müssen wir hier nicht drüber sprechen, oder das ist jetzt nicht unser Thema. Ich glaube, das ist noch ein anderer Punkt, warum manche Kinder kein WhatsApp brauchen. Vielleicht einfach der ist das die Menschen mit denen man zu tun hat auch kein WhatsApp haben. Also wenn alle anderen, mit denen ich zu tun habe, per WhatsApp gar nicht zu erreichen sind, was soll ich dann da bei WhatsApp?
Ralf: Und dann wären wir wieder bei dem Modell "Smarter Start up 14" und in der fünften Klasse am Ratsgymnasium in Osnabrück.
Moritz: Ja, vorausgesetzt, dass die Klassengemeinschaft die einzige Bezugsgruppe ist, die du im Alltag hast und kein Sportverein. Aber da würden wir jetzt wieder von vorn anfangen. Ich glaube auch, dass es sehr viele gute Gründe gibt, WhatsApp zu verbieten. Und ich glaube, dass es Kinder gibt, für die das kein Problem ist. Aber es gibt eben auch Kinder, für die das dann schon eine sehr drastische Einschränkung ist.
Ralf: Und wenn Eltern dem Kind WhatsApp nicht erlauben wollen und es deshalb verbieten, finde ich wichtig, immer wieder mit dem Kind ehrlich darüber zu sprechen, ob das für das Kind auch so in Ordnung ist. Eltern wollen Kinder schützen, zum Beispiel vor den negativen Auswirkungen der Mediennutzung. Aber gleichzeitig wollen wir nicht, dass Kinder unter unserem Schutzbedürfnis dann leiden.
Moritz: Vielleicht sind wir dann doch der Verein zur Förderung der Mediennutzung.
Ralf: Warum?
Moritz: Ja, weil wir uns in dieser Folge die ganze Zeit Gedanken machen, aus welchen Gründen es vielleicht besser ist. Also indirekt, wenn Kinder WhatsApp benutzen, obwohl die Eltern das vielleicht gar nicht wollen.
Ralf: Ja, aber das ist doch nur vernünftig.
Moritz: Ja, aber es kann so wirken, als würden wir sagen, dass Mediennutzung per se wichtig ist.
Ralf: Moritz, das haben wir nicht gemacht.
Moritz: Naja.
Ralf: Wir haben darüber gesprochen. Das es für. Wir haben darüber gesprochen, dass es für unterschiedliche Kinder unterschiedliche schwer ist, auf WhatsApp verzichten zu können.
Moritz: Ja, aber es kann doch auch dazu führen, jetzt diese Folge, dass manche Eltern jetzt ihren Kindern vielleicht nicht verbieten, WhatsApp zu nutzen, weil sie durch unsere Gedanken rausgefunden haben, dass das Kind tatsächlich, wie du sagst, unter diesem Schutzbedürfnis von uns übermäßig leiden würde, wenn das Kind kein WhatsApp hat.
Ralf: Aber genau darum geht es doch. Es geht darum, dass Kinder nicht leiden.
Moritz: Ja, okay.
Ralf: Wir sind für die Kinder da, nicht für die Mediennutzung.
Moritz: Und gäbe es kein WhatsApp und kein Social Media, dann würden wir uns wahrscheinlich auf andere Art und Weise für die Bedürfnisse von Kindern einsetzen.
Ralf: Genau. Jetzt mach dir nicht so viele Gedanken.
Moritz: Nein, Ich habe aber schon manchmal das Gefühl also das ist doch so ein Schwarz Weiß Denken, das immer so vorherrscht. Also bist du für oder gegen Smartphones bei Kindern? Und darum geht es meiner Meinung nach überhaupt nicht, sondern es geht darum, dass die Kinder in einer Welt, in der es WhatsApp gibt, gesund und geliebt, sag ich mal, groß werden können. Und wir wollen Kinder schützen, aber sie sollten nicht unter unseren Entscheidungen, die wir zum Beispiel jetzt wegen den Gefahren im Internet treffen. Sie sollen darunter nicht leiden. Ja, keine Ahnung.
Ralf: Mir ist in unserem Gespräch nochmal klar geworden, wie wichtig letztendlich die Bezugsgruppe ist, über die wir sprechen. Bin ich gut integriert oder nicht? Habe ich dort Menschen, die zu mir halten oder nicht? Kann ich es aushalten, erst am nächsten Tag zu erfahren, was vielleicht schon heute Nachmittag im Klassenchat diskutiert wurde?
Moritz: Man muss es sich erlauben können, auf WhatsApp zu verzichten.
Ralf: Ja, ja, ja. Das gilt für uns Erwachsene noch genauso. Wobei ich sagen würde, dass das Produkt letztendlich egal ist, ob ich jetzt Signal, Snapchat oder WhatsApp ist.
Moritz: Ja klar.
Ralf: Entscheidend ist das, was die anderen Menschen machen, mit denen du zu tun hast oder mit denen du zu tun haben willst.
Moritz: Ja, Kinder brauchen die Möglichkeit, den Gesprächskanal zu nutzen. Denn die anderen auch nutzen, um zu kommunizieren. Das war in meiner Kindheit vermutlich in erster Linie das Telefon.
Ralf: Ja und da hat es mich immer total genervt, wenn ich mit Kindern nicht telefonieren konnten, weil sie zu anderen Zeiten telefonieren durften. Wie ich es durfte.
Moritz: Lasst uns zum Schluss kommen. Wir driften gerade ab in die Rubrik: Früher war alles besser. Ich wollte übrigens. Ich freue mich. Ich wollte dir noch eine neue Rubrik in unserem kleinen Podcast vorstellen.
Ralf: Ich bin gespannt.
Moritz: Jetzt kommt hier der Jingle.
Jingle: Unnötiges Wissen mit Ralf und Moritz.
Moritz: Falls du als Vater gegenüber deinen Kindern ein bisschen mit Wissen angeben möchtest, dass deine Kinder vielleicht noch nicht haben, dann könnte dich folgendes interessieren. Viele Menschen zahlen mit dem Handy an der Kasse, indem sie das Display intuitiv an das kleine Gerät oder wie diese Dinger da heißen, halten.
Ralf: Ja, wie auch sonst.
Moritz: Also besser mit der Rückseite vom Smartphone. Der Chip ist bei den meisten Smartphones nämlich näher an der Rückseite angebaut als am Display. Also das heißt das Display schirmt eher ab. Und das heißt, wenn du die Rückseite dran hältst, kannst du ein bisschen früher bezahlen, wenige Zentimeter früher als mit dem Display.
Ralf: Ich glaube, das mache ich intuitiv immer so, aber letztendlich ist es eigentlich auch nicht so wichtig.
Moritz: Also, als mir das neulich ein Freund gesagt hat, als ich mit dem Display zum Lesegerät hin bezahlt habe, habe ich mich schon ein bisschen geärgert, dass er so schlau ist und ich das nicht konkret wusste. Und vielleicht können manche Eltern auch ihren Kindern gegenüber so ein bisschen mit diesem Wissen glänzen und haben nicht nur immer die Rolle von den Erwachsenen, die nur von ihren Kindern lernen müssen in diesem Bereich. Das meine Idee.
Ralf: Okay, dann verstehe ich jetzt auch die Rubrik und ich liebe sie jetzt schon.
Jingle: Unnötiges Wissen mit Ralf und Moritz.
Ralf: Okay, hast du noch was, Moritz?
Moritz: Zwei Sachen wollte ich eigentlich schon in der letzten Folge erzählen. US Außenminister Marco Rubio hat für die US Regierung kurz vor Weihnachten mitgeteilt, dass die Organisation HateAid als radikale Aktivisten eingestuft wird.
Ralf: Ja, davon habe ich gelesen.
Moritz: Und ja, und die haben ein Einreiseverbot für die beiden Geschäftsführerinnen erlassen worden. Die US Regierung hält das Engagement von den in Deutschland ansässigen HateAid für Zensur, weil sie Betroffene von digitaler Gewalt unterstützt und politisch und gesellschaftlich für sich für stärkere Gesetze zum Schutz vor digitaler Gewalt einsetzt. Aus meiner Sicht ist Meinungsfreiheit wirklich nur möglich, wenn du keine Angst haben musst vor digitaler Gewalt, wenn du deine Meinung gesagt hast. Also eigentlich ist das aus meiner Sicht völlig abwegig, was die USA da jetzt HateAid vorwirft, weil ich würde sagen, dass das was die machen ist, dass sie sich gerade für Meinungsfreiheit einsetzen. Passt aber dann irgendwie auch so in mein Bild von den USA aktuell. Also dass du eher ein Grundrecht auf Beschimpfen hast als auf Unversehrtheit und Meinungsäußerung. Naja, und in diesem Zusammenhang möchte ich dann noch einen Song erwähnen und zwar von Bosse.
Ralf: Von Bosse?
Moritz: Der Song heißt Lass dich nicht *piep*. Und thematisiert passend dazu digitale Gewalt vor allem gegen Frauen im Internet. Über den Titel kann man jetzt natürlich streiten. Axel Bosse hat auf Instagram geschrieben, dass das Wort *piep* eines der am häufigsten benutzten Wörter bei Beschimpfungen gegen weiblich gelesene Personen auf Social Media ist. Und damit dieser Song aber trotzdem etwas für Familien ist, gibt es noch die Variante Lass dich nicht zwicken. Der gute Aki Bosse denkt an alle.
Ralf: Moritz. Wir kommen zum Schluss und bedanken uns bei allen fürs Zuhören. Wir freuen uns natürlich wie immer über Rückmeldungen über unsere Social Media Kanäle, die alle auf www.smiley-ev.de zu finden sind. Oder per Mail an podcast@smiley-ev.de oder über Spotify.
Moritz: Und die Folge zum Weiterhören, würde ich sagen, ist die Folge, die du vorhin angesprochen hast. "Mein Kind hat Angst vor Social Media", vom?
Ralf: 8. Januar 2024.
Moritz: Danke. Der nächste Medienerziehungsmontag ist Montag, der 26. Januar 2026. Und bis dahin sagen wir Tschüss.
Ralf: Tschüss.
Ralf: Unnötiges Wissen... Was für ein Ohrwurm.
Moritz: Ja, habe ich mit KI gemacht.
Ralf: Ja, hab ich mir schon gedacht. Trotzdem, unglaublich dieser Ohrwurm.
Moritz: Unnötiges Wissen mit Ralf und Moritz.
Ralf: Mach's gut.
Moritz: Ciao.