Netzkultur

Facebook-Partys sind keine

Eigentlich erwartete ein 15-jähriges Mädchen in Hessen nur wenige Freundinnen zu ihrer Party – es kamen aber 150 Gäste, von denen die allermeisten nicht eingeladen waren. „Eingeladen“ wurden diese ungewünschten Besucher via Facebook und Whatsapp. Wie in ähnlichen Fällen sprechen die Medien (und auch Pädagogen) von einer „Facebook-Party“, und verkennen somit die eigentliche Ursache der aus dem Ruder gelaufenen Party.

Fast schon als „Klassiker“ gilt das Beispiel der Hamburgerin Thessa, die im Juni 2011 ihren 16. Geburtstag versehentlich als öffentliche Veranstaltung bei Facebook ankündigte. In Folge dessen kamen 1600 Besucher; die Polizei musste die Party beenden.
Thessa hatte somit ungewollt die „Facebook-Party“ erfunden: eine Art unfreiwilliger Flashmob, zu der massenweise Menschen strömen - nur weil es geht. Es passierte immer wieder, zuletzt das eingangs erwähnte hessische Beispiel vom 8. Dezember. Dabei sind es nicht zwangsläufig die Gastgeber, die die Veranstaltung öffentlich machen, sondern ggf. aus verschiedenen Gründen auch andere Nutzer.

Ursachenverdrehung in der Präventionsarbeit

In der Präventionsarbeit zum Thema Facebook wird immer wieder davor gewarnt, private Geburtstagsfeiern bei Facebook anzukündigen. Zu gefährlich scheint es zu sein, dass etwas öffentlich wird, was nicht öffentlich werden darf. Die falsch vorgenommene Privatsphäreeinstellung wird verantwortlich dafür gemacht, dass sich massenweise ungebetene Gäste einfinden. Dabei muss allerdings ganz deutlich gesagt werden, dass die Ursache für eine Facebookparty nicht bei den vermeintlichen Gastgebern liegt, sondern bei den Menschen, die kommen bzw. auch bei denen, die entsprechende Aufrufe zum „Partysprengen“ per Facebook oder Whatsapp verbreiten. Niemand kann sich dagegen schützen, dass jemand anderes massenhaft Menschen gegen den Willen des Gastgebers einlädt.

Schon der Begriff „Facebook-Party“ suggeriert, dass die Ursache für dieses Phänomen bei Facebook liegt. Dabei ist Facebook allenfalls das Werkzeug, um jemand anderem massiv zu schaden. Der geschwungene Zeigefinger „kündigt euren Geburtstag nicht bei Facebook an“ ist völlig unsinnig. Logisch wäre „sorgt dafür, dass niemand anderes Leute zu dir nach Hause einlädt“ – was offensichtlich keinen Sinn ergibt. Wenn hier präventiv gearbeitet werden soll, muss es um das Bewusstsein gehen, dass jeder ein Recht auf eine Party mit seinen Freunden hat und dass es sich nicht gehört, ohne Einladung gegen den Willen des Gastgebers zu erscheinen. Wenn jemand zufälligerweise erfährt, dass eine 15 jährige ihren Geburtstag feiert, reicht das nicht als Rechtfertigung, hinzugehen. Niemand kann behaupten, dass er oder sie dachte, eingeladen worden zu sein, nur weil eine Party bei Facebook Erwähnung fand. Man stelle sich vor: eine Einladungskarte aus Papier liegt auf dem Schulhof, weil sie dort jemand verloren hat. Daraufhin gehen alle, die die Karte gesehen haben zu der Party – die Presse würde daraufhin von einer „Einladungskartenparty“ sprechen. Ein groteskes Szenario! Exakt so funktioniert aber die derzeitige Beurteilung von Facebook-Partys. Kurz gesagt: es gibt keine Facebook-Partys, es gibt nur Menschen, die zu Partys gehen, wo sie nicht eingeladen worden sind.

Es geht nicht um die „Einladung“, sondern um das Verhalten der „Gäste“

In einem unserer Workshops in einer fünften Klasse kamen die Schüler ebenfalls auf das Phänomen der „Facebook-Partys“ zu sprechen. Ein Schüler fragte mit großen Augen: „Wussten die 1.600 Leute denn nicht, dass Thessa sie gar nicht als Gäste haben wollte?“ Die Antwort ist eindeutig: „Doch!“ „Warum sind die denn dann da hingegangen?“ Die Antwort auf diese sehr entscheidende Frage hat nichts mit Facebook und auch nichts mit der Gastgeberin zu tun, sondern nur mit den Menschen, die hingegangen sind …

Dieser Beitrag wurde am 09.12.2013 verfasst.
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